Wir müssen langfristig planen

Das liechtensteinische Steuergesetz macht Einzahlungen in Pensionskassen attraktiv. Zugleich fordern tiefe Zinsen und turbulente Börsen die Kassen. "Für die Unternehmen geht Stabilität vor Rendite", sagt Bruno Matt, Geschäftsführer der LLB Vorsorgestiftung.

Das liechtensteinische Steuergesetz macht Einzahlungen in Pensionskassen attraktiv. Zugleich fordern tiefe Zinsen und turbulente Börsen die Kassen. "Für die Unternehmen geht Stabilität vor Rendite", sagt Bruno Matt, Geschäftsführer der LLB Vorsorgestiftung.

Beim Renteneintritt mit 64 Jahren gleich viel Geld zur Verfügung zu haben, wie im Arbeitsleben – wie kann das jemand bewerkstelligen, der heute Mitte 40 ist?

Bruno Matt:

Wir motivieren jeden, sich über den Stand seiner gesetzlichen, beruflichen und privaten Altersvorsorgeansprüche rechtzeitig zu informieren. Mitte 40 ist noch ein guter Zeitpunkt, um eventuelle Lücken in der 2. Säule aufzufüllen oder auch eine private 3. Säule auf- oder auszubauen. Oft sind die Menschen in dem Alter finanziell weniger gebunden, was Möglichkeiten eröffnet. Eine umfassende Finanzplanung ist eine gute Grundlage, wobei berücksichtigt wird, wie jemand im Alter leben will und wie hoch seine monatlichen Kosten sind. Nicht selten regen wir dazu ein Gespräch mit unseren Finanzplanern an. Im Idealfall hat jemand mit 64 einen Kapitalstock aufgebaut, der ihn noch mindestens 20 Jahre vernünftig leben lässt. Nicht jeder aber hat ein ganzes Arbeitsleben lang in Liechtenstein verbracht.

Wenn ein Arbeitnehmer erkennt, dass er bei der beruflichen Altersvorsorge eine Deckungslücke hat. Was kann er tun?

Er kann Einmalzahlungen an die betriebliche Pensionskasse leisten und freiwillig eine höhere Prämie zahlen. Seit 2011 spart er damit sogar noch mehr Steuern. Das neue moderne Steuergesetz sieht vor, dass einmalige Beiträge und Prämien in vollem Umfang vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden können. Zugleich darf sich der Versicherte bis zur Höhe eines Jahressalärs einkaufen. Bislang lag die Summe bei höchstens 12 Prozent des Bruttolohns. Dies ist möglich bis zu drei Jahren vor der Pensionierung. Nicht möglich sind jedoch Einzahlungen, die dazu führen würden, dass die Altersvorsorge – AHV und Pensionskasse zusammengenommen – höher ausfällt als das Einkommen im Arbeitsleben. Wer also einen Sechser im Lotto hat und eine Millionen Franken gewinnt, darf die Million nicht in die Pensionskasse einbringen, wenn sein Jahreslohn 100 000 Franken beträgt.

Wenn Sie jemand fragt, ob er sich für die Ausbezahlung des Alterskapitals entscheiden soll oder für eine Altersrente, was antworten Sie?

Auch wenn ich diese Frage häufig gestellt bekomme, so kann sie nur der Betroffene selbst beantworten. Wir bieten jedoch unsere Unterstützung an und errechnen, wie hoch die monatliche Rente wäre und wie hoch das Alterskapital. Und wir können die richtigen Fragen stellen, um zu helfen, die für jeden sehr individuelle richtige Antwort zu finden: Haben Sie noch minderjährige Kinder oder eine geschiedene Ehefrau? Wie hoch sind die Hypotheken für Ihr Haus und wie lange laufen diese noch? Sind Sie darauf angewiesen, dass jeden Monat ein regelmässiges Einkommen auf Ihrem Bankkonto eingeht? Oder umgekehrt gefragt: Wie gesund sind Sie? Was wollen Sie mit Ihrem Alterskapital machen? Wie wollen Sie es nutzbringend anlegen? Vielleicht kommt ja auch eine Aufteilung in Frage: Einen Teil des Altersguthabens lassen Sie sich auszahlen, um eine Hypothek zurückzubezahlen. Den Rest des Alterskapitals bekommen Sie jeden Monat als Rente ausbezahlt.

Pensionskassen mussten im Jahr 2011 nicht nur Deckungsgradeinbussen hinnehmen, sie müssen sich längerfristig auf tiefere Zinsen und tiefere Kapitalmarkterträge einstellen. Wie stellt die LLB Vorsorgestiftung sicher, dass sie ihre Leistungsversprechen erfüllen kann?

Wir haben 2011 sogar ein leichtes Plus erwirtschaftet und liegen nach Grösse und Marktanteilen auf Platz zwei unter den 14 Sammelstiftungen in Liechtenstein. Die Vorsorgegelder für unsere 3356 Versicherten aus 329 Betrieben sind sicher. Unser Anlagekapital lag Ende 2011 bei 291 Millionen Franken – mit steigender Tendenz. Dasselbe gilt für unsere Schweizer Tochter Alvoso LLB in Lachen, die bislang 261 Unternehmen mit 1281 Versicherten betreut. Ihr Vorsorgekapital belief sich auf 156 Millionen Franken. Grundsätzlich gilt für Pensionskassen: Wenn der Deckungsgrad bei über 90 Prozent liegt, ist alles im grünen Bereich. Hinzu kommt, dass alle 25 Liechtensteiner Sammel- und Firmenstiftungen der Schweizer Stiftung Auffangeinrichtung BVG angeschlossen sind.

Sind die Risiken also vernachlässigbar?

Ich will ganz offen sein. Um einen gleichmässig stabilen Deckungsgrad zu halten, müssten Pensionskassen eine Rendite von drei bis vier Prozent erreichen. Das ist bei der augenblicklichen Entwicklung an den Kapitalmärkten jedoch eher unwahrscheinlich.
Die Kassen müssen daher ihre technischen Grundladen der demografischen Entwicklung anpassen. Im Abstand von etwa zehn Jahren passen wir unsere Strategie an. Hilfsmittel für diese Entscheidung sind die statistischen Sterbetafeln der Schweiz. Danach lebt ein 65-jähriger Mann heute noch weitere 18,9 Jahre, er wird also anderthalb Jahre älter als noch vor zehn Jahren. Diese Entwicklung lässt sich nicht mit technischen Rückstellungen für die Langlebigkeit allein auffangen.

Immerhin verfügt die LLB Vorsorgestiftung über eine komfortable Versichertenstruktur: Einem Rentner stehen zurzeit noch 100 Versicherte gegenüber.

Unser Auftrag ist langfristig und wir müssen vorausschauend handeln. Um nicht nur die Leistungen für die heutigen Rentner zu sichern, sondern auch die für die heutigen Arbeitnehmer, haben wir den technischen Zinssatz ab 2012 von 4 auf 3,5 Prozent gesenkt. Dieser Zinssatz drückt die zukünftige Renditeerwartung aus, mit der wir langfristig rechnen. Der technische Zinssatz soll der langfristigen Verzinsung einer relativ risikolosen Anlage entsprechen. Je tiefer der Satz ist, desto unabhängiger sind wir von den Launen des Kapitalmarktes.

Was heisst dies konkret?

Sinkt der technische Zinssatz, sinkt auch der Umwandlungssatz. Die niedrigen Zinsen und die Tatsache, dass wir alle länger leben, zwingen uns dazu, den Umwandlungssatz zu senken. Ab Januar 2015 liegt dieser bei der LLB Vorsorgestiftung bei 6,8 Prozent statt wie bisher bei 7 Prozent. Bei einem in der zweiten Säule gesparten Alterskapital von 300 000 Franken liegt die jährliche Altersrente zurzeit bei 21 000 Franken und ab 2012 bei 20 400 Franken. Wer in den nächsten Jahren in Rente geht, erhält also 600 Franken weniger pro Jahr.

Pensionskassen dürfen nur einen kleinen Anteil ihres Vermögens in riskante Anlagen wie Aktien stecken. Das vermeidet zwar weitgehend Verluste, mindert aber die Gewinnchancen. Überlegen Sie, riskantere Anlagen zu wagen, um eine höhere Rendite zu ermöglichen?

Wir sind die einzige Pensionskasse in Liechtenstein und gehören zu ganz wenigen überhaupt, die unsere Kunden wählen lassen zwischen einer riskanteren und einer wenig riskanten Strategie. Interessant ist dabei aber: Obwohl die Medien uns ab und an «Superrenditen» von Vorsorgewerken in anderen Ländern vor die Nase halten, beobachten wir, dass 90 Prozent
unserer Versicherten lieber möglichst sicher als möglichst renditeträchtig investieren wollen. Und sie hatten damit recht, zumindest in den vergangenen zehn Jahren.

Worin unterscheiden sich die beiden Varianten konkret?

Die LLB Vorsorgestiftung bietet ihren Mitgliedern zwei Anlagestrategien an: eine konservative mit einer Aktienquote von rund 15 Prozent und eine dynamische mit einem Aktienanteil von 25 Prozent. Ende 2008 pendelte sich die Performance der konservativen
Strategie bei minus 16 Prozent ein, während die dynamische Variante auf minus 27 Prozent rutschte. Ende 2011 erzielten wir mit der konservativen Anlagestrategie ein Plus von 0,2 Prozent und mit der dynamischen ein Minus 1,1 Prozent. Die dynamische Variante zahlt sich dann aus, wenn die Aktienmärkte wieder anziehen.

Wie trotzen Sie den historisch tiefen Zinsen am Kapitalmarkt?

Pensionskassen haben wenig Spielraum, sie sind auf langfristiges Kapitalwachstum ausgerichtet. Oberstes Ziel ist die Sicherheit der Vermögensanlagen. Ansonsten gilt für uns derselbe Ansatz wie für die LLB-Gruppe. Beim Kauf von Obligationen wird auf erstklassige Schuldner geachtet, die wertorientierte Aktienauswahl basiert auf einem systematischen Ansatz, wobei unsere Asset-Manager nach quantitativer Vorselektion jene Aktien auswählen, die bei einer prognostizierten Wirtschaftserholung am frühesten profitieren.

Wie schützen Sie sich gegen Risiken?

Als teilautonome Vorsorgeeinrichtung trägt die LLB Vorsorgestiftung für Liechtenstein das Langleberisiko selbst. Die Sammelstiftung ist zuständig für die Vermögensbildung je Vorsorgewerk zur Sicherstellung der Altersleistungen. Seit dem 1. Januar 2011 sind die Risikoleistungen für Invalidität und Todesfall bei der Elips Life AG in Vaduz rückversichert.

Das Pensionskassenguthaben ist zwar für viele der wichtigste Vermögenswert, Einfluss aber nehmen können sie nicht. Was spricht dagegen, dass Versicherte ihre Pensionskasse frei wählen?

Angesichts der unsicheren Entwicklung an den Kapitalmärkten kommt allerorten die Idee auf, Pensionskassen sollten riskantere Investments wagen, um eine höhere Rendite zu erzielen. Dabei aber gilt es im Auge zu behalten, dass riskantere Anlagen in den vergangenen zehn Jahren grundsätzlich keine höhere Rendite erbrachten. Auch wenn es mehr Wettbewerb brächte, würde dies die Versicherten aber auch ziemlich fordern, aus einem komplexen Angebot das herauszusuchen, was wirklich passt. Gleichzeitig würde eine freie Wahl die Vorteile aufbrechen, die eine Versicherung im Kollektiv bietet.

Wie hat sich die LLB Vorsorgestiftung seit ihrer Gründung entwickelt?

Wir sind die jüngste Sammelstiftung im Land und sind auch ein wenig stolz auf das, was wir erreicht haben. In sieben Jahren sind die Versichertenzahlen und die Bilanzsumme über das hinausgewachsen, was wir erwartet hatten. Die LLB Vorsorgestiftung für Liechtenstein ist gut gerüstet für die Herausforderungen der Zukunft. Die weitere demografische Entwicklung
beobachten wir aufmerksam.

Zur Person

Bruno Matt ist Geschäftsführer der LLB Vorsorgestiftung für Liechtenstein. Als eidg. dipl. Pensionskassenleiter führt er die Geschäftsstelle der Sammelstiftung seit deren Gründung im Jahr 2005. Seit 2010 ist er Präsident des Liechtensteiner Pensionskassenverbandes, an dessen Gründung er aktiv mitgewirkt hat.

Facts LLB Vorsorgestiftung für Liechtenstein

Der LLB Vorsorgestiftung sind aktuell 335 Betriebe mit insgesamt 3775 versicherten Arbeitnehmern. Das verwaltete Kundenvermögen liegt aktuell bei 335 Millionen Franken. Die LLB Vorsorgestiftung ist eine der wenigen Pensionskassen, die zwei Anlagestrategien anbietet. Die Verzinsung des Vorsorgekapitals der Versicherten lag im vergangenen Jahr bei der konservativen Strategie bei 2 Prozent und die Verzinsung bei der dynamischen Strategie betrug 1,5 Prozent. Der konsolidierte Deckungsgrad beträgt aktuell 101 Prozent.